Lichtzelt im Eigenbau

Wer Produktfotos, etwa für ebay-Auktionen, macht, kennt das Thema: Das Auge kauft bekanntlich mit. Daher ist ein gut gemachtes Bild das A und O.

Ein Lichtzelt kaufen will ich mir aber nicht, für die seltenen Einsatzzwecke war mir die Inverstition dann doch zu hoch. Wie der Zufall so spielt bin ich im Netz auf die Anleitung von timmermann.tv gestoßen, wie man sich ein solches auch selbst basteln kann.

Nach knapp einer halben Stunde war es auch zusammengebastelt. Einen Karton, weiße Servietten und etwas Klebeband und schon war das Lichtzelt des Heimwerkerkings einsatzbereit.

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Ich gebe zu, dass ich mir nicht viel davon erhofft habe. Insofern war ich vom Ergebnis dann doch überrascht, vor allem, bei der übrigen „Studioausstattung“. Als Lichtquelle hatte ich lediglich einen 500 Watt-Baustrahler, der nicht lichtstark genug war und der zudem auch kein Tageslicht sondern ein „warm-weißes“ Licht liefert. Insofern musste die Bildbearbeitung nochmal ran und das Bild etwas aufhellen und den Weißabgleich anpassen. Auch der Hohlkehle im Innern ist reichlich Pfusch. In Ermangelung eines Fotokartons habe ich zwei DinA3-Blätter zusammengeklebt.

Das Ergebnis:

DSC03471

Nicht perfekt, aber in Anbetracht der eingesetzten Mittel bin ich zufrieden. Besonders bei den Relektionen auf der spiegelnden Oberfläche sieht man, dass das Lichtzelt tatsächlich etwas gebracht und das Licht besser verteilt hat. Auch mit dem Schatten unter dem Smartphone kann ich gut leben (bei meinen sonst freigestellten Bildern habe ich ohnehin  immer künstlich einen hinzugefügt). Wenn ich nun noch irgendwo gescheite Lampen bekomme und mir für den Einleger was feineres zulege, sollte das für meine Zwecke vollkommen in Ordnung gehen.

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Und weiter gehts …

Nach langer Zeit mit eingeschränktem Internetzugriff melde ich mich wieder in Blogosphäre zurück.

Der Blog ist also keineswegs abgeschrieben, sondern war nur pausiert. Ich werde euch in der nächsten Zeit also wieder mit neuen Einträgen versorgen können (in nächster Zeit natürlich mit erhöhter Frequenz, schließlich gibt es viel nachzuholen). Ich freue mich, nun wieder im Internet auf Streifzüge gehen zu können und bin gespannt, was die Zukunft schreibenswertes bringen wird.

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Fragen… (2)

Die zweite Frage ist schnell im Bereich der Naturwissenschaften, genauer in der Physik, verortet und befasst mit Zeitreisen. In Gedankenexperimenten befasse ich mich häufig mit diesem Thema.

Heute geht es um die alte Verfilmung von H.G. Wells „Die Zeitmaschine“. Darin sehen wir nach der Einleitung den Helden in seine Zeitmaschine, ein Schlitten mit angeflanschtem Glücksrad, steigen, einige Hebel betätigen und die Reise in die weit entfernte Zukunft antreten. Das läuft wie folgt ab:

Nachdem er am Hebel gezogen hat beginnt sich das Glücksrad immer schneller zu drehen und wir sehen aus seiner Sicht, wie auch die Zeit schneller verstreicht. Aus seinem Fenster beobachtet er, wie die Sonne und der Mond am Himmel mit rasender Geschwindigkeit vorbei ziehen. Die Maschine „beschleunigt“ immer weiter in der Zeit, er jedoch verlässt seinen Platz im Raum nicht. Er bleibt also auf der Stelle stehen und sieht, wie sein Haus langsam zerfällt und wie sie Welt sich verändert.

Mir stellt sich nun die Frage, wie die Welt hingegen ihn sieht. Der erste Gedanke ist: da er sich nicht von der Stelle bewegt und nur die Zeit schneller abläuft müssten ihn die Leute als starre Statue da in seinem Schlitten sitzen sehen, zusammen mit einem Rad, das sich unheimlich langsam bewegt (die Bewegung könnte man nur feststellen, wenn man es jahrelang beobachten würde). Das wirft die Frage auf, warum Schlitten dann nicht einfach jemand wegschiebt. Er sieht eigentlich recht wertvoll aus …

Der nächste Gedanke dann: Er ist für seine Umwelt unsichtbar. Der Gedanke, der zu dieser Annahme führt, ist relativ kompliziert zu erklären, aber ich versuche es trotzdem einmal. Der Zeitreisende erklärt zu Beginn lapidar, die Zeit sei lediglich so etwas wie eine vierte Raumdimension, auf der er sich bewegen könne. Nun nehmen wir an, der er hätte einen Beobachter bei sich gehabt, der seinen Start miterlebt hätte und beschränken wir den Vorgang auf eine Sekunde. Weiterhin sei seine „Geschwindigkeit“, mit der er sich durch die Zeit bewegt, konstant. Also, er startet nun seine Maschine und bewegt sich damit tatsächlich physisch durch die Zeit. Für den Beobachter wäre er sofort verschwunden, denn während für diesen eine Sekunde vergeht, ist der Zeitreisende bereits schon in der Zeit weiter „vorne“, also bei Sekunde 5 oder 6. Als Analogie können wir uns ein Auto vorstellen, das rasend schnell fährt. Wenn wir eine kleine Fläche auf der sonst leeren Autobahn beobachten ist die Stelle für uns leer. Wir können nicht nach links und rechts sehen sondern nur diesen kleinen Ausschnitt. Das Auto braust nun heran und überfährt unsere Stelle. Das kleine Feld auf dem Boden war nur einen kleinen Moment lang nicht mehr leer. Wenn wir in dem Moment geblinzelt haben, haben wir es vielleicht gar nicht bemerkt. Wenn ich nun heute in dem Garten stehe, wo früher das Haus des Zeitreisenden war und genau hinschaue, könnte ich ihn dann für einen Moment sehen? Wenn er also genau jetzt durch meinen Sekundenabschnitt durchbraust. Also ich schaue eine Sekunde lang die Stelle an, der Zeitreisende hält sich aber nur einen Sekundenbruchteil davon in dieser einen Sekunde auf, da er eine viel schnellere Zeit fährt und im selben Zeitfenster vielleicht ein Jahr zurücklegt.

Der Gedanke fühlt sich aber für mich nach einem Logikfehler an, ich kann ihn aber nicht konkret fassen. Müsste ich den Reisenden dann nicht doch immer sehen? Denn nehmen wir an, er ist nach 10 Minuten schon in meiner Zeit, 2009, angelangt. Ich stehe als hier, am 10.06. und laufe auf seinen Garten zu. Er ist vielleicht gerade schon bei 1980 und rast mit einem Affentempo in der Zeit weiter. In dem Moment, in dem ich sein Gartentor erreiche ist auch er am 10.06 angelangt und flitzt aber schon weiter. Dennoch, in einem Sekundenbruchteil seiner Zeit war er am 10.06. da. Wenn ich nun also den ganzen Tag am Gatter stehe und beobachte, dann müsste ich doch auch seine gesamte Verweildauer sehen, oder nicht? Das würde mich ja wieder zum ersten Gedanken bringen …

Hm, jetzt, wo ich das aufschreibe, fällt mir auf, dass es sich so erklären ließe, dass ich im Vergleich zum Beobachter, der den Start beobachtet hat, einen anderen „Zeit-Autobahn-Abschnitt“ sehe. Nur weil er räumlich identisch ist, muss es zeitlich nicht zwangsläufig der gleiche sein, schließlich bewegen wir uns laut der Aussage des Zeitreisenden auf einer anderen Koordinatenachse.

Was meint ihr? Wo ist mein Denkfehler? Wie glaubt ihr könnten sich seine Zeitreise erklären lassen. Wohlgemerkt, mir geht es hier um eine, in der man ständig in der Welt präsent ist und sieht, wie sich alles verändert. Zeitreisen, in denen man sich einfach in eine Maschine stellt oder durch ein Tor latscht und dann plötzlich in der Zeit ist, die man wollte (oder auch nicht wollte), finde ich gar nicht so spannend. Höchstens deren Auswirkungen, aber das ist wieder eine neue Frage ;-)

Fragen… (1)

Es gibt Fragen, die mich immer wieder beschäftigen. Seltsame Fragen. Fragen nach dem Leben, dem Universum und allem. Und meist ist „42“ eine recht unbefriedigende Antwort. Es sind Fragen, die vielleicht unsinnig erscheinen. Fragen vielleicht auch, die den Anschein erwecken könnten, sie seien eine versteckte Form der Kritik oder Häme. Aber das sind sie nicht. Sie beschäftigen mich einfach, vielleicht auch nur deshalb, weil es mir bislang noch nicht möglich war, eine verständliche Antwort zu finden. Wenn es euch manchmal auch so geht, dass ihr mehr oder weniger alltägliche Situationen einfach mal zum Spaß hinterfragt und euch überlegt, warum manche Dinge so sind, dann begleitet mich doch einfach und versucht gemeinsam mit mir, hinter die Dinge zu schauen.

Meine erste Frage lässt sich wohl am ehesten der Sozialpsychologie zuordnen: Warum beginnen Menschen einen Smalltalk nicht selten mit Fragen, deren Antwort derart offensichtlich ist, dass man wiederum danach fragen könnte, warum sich der andere nicht veralbert vorkommt.

Ein Beispiel, bei dem wir uns folgende Situation vorstellen: Jemand steht in seinem Hof, leicht versetzt sein Auto, welches nass in der Sonne glänzt. Daneben haben wir noch einen Eimer, diverse Lappen und weitere Utensilien. Dieser Jemand steht also bei seinem Auto, einen Schwamm in der einen und einen Lappen in der anderen Hand und tut zweifelsohne etwas, das Mr. Miyagis Auftragen-und-Polieren-Kata sehr ähnlich sieht. Warum begrüßen wir einen Solchen mit den Worten: „Oh, putzt Du gerade Dein Auto?“. Welche Antwort erwarten wir dann eigentlich vom Gegenüber, denn ein schlichtes „Ja“ lässt die Konservation schneller wieder enden, als sie begonnen wurde.

Das war jetzt zynisch formuliert, aber die Frage meine ich tatsächlich ernst. Auch ich ertappe mich zum Beispiel dabei, wie ich in der Mensa mit einem Tablett bewaffnete Bekannte mit der Frage verblüffe, ob sie Mittagessen gehen würden.

Warum beginnen wir also Gespräche auf diese Weise? Ist es ein kulturelles, vielleicht sogar nur auf Süddeutschland beschränktes Phänomen?

Ich könnte mir vorstellen, dass die einfache Frage die Konversation in Gang setzen soll und man damit auch gleichzeitig die Verantwortung über den eigentlichen Beginn an den anderen abgeben möchte. Wenden wir uns nochmal dem Autobeispiel zu, so könnte eine mögliche Antwort sein: „Ja, heute passt das Wetter endlich mal.“ Damit hätte man einen Aufhänger, um sich über das Wetter zu unterhalten. Oder „Ja, heute habe ich endlich mal die Zeit dafür. Die Arbeit war in letzter Zeit so anstrengend“. Der perfekte Einstieg, um zu fragen, was denn in der Arbeit besonderes los war.

Das ist leider nur eine Vermutung, die ich mir selber zusammengeschustert habe. Habt ihr andere Erklärungen? Oder sogar eine „wissenschaftlich fundierte“ Antwort? Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen.

Happy Birthday Blog

nicubunu_chocolate_birthday_cakeHeute feiert mein Blog seinen zweiten Geburtstag!

Wie man sehen konnte hat sich in der Zeit viel ereignet! Zumindest viel, von dem ich dachte, es wäre schön darüber zu schreiben.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Lesern für die gemeinsame Zeit bedanken. Vielen Dank für die Kommentare, die die einzelnen Artikel um zusätzliche Sichtweisen erweitert und mit zusätzlichem Leben erfüllt haben. Dank auch für die Anregungen, die ich per Mail oder Chat erhalten habe und die dem Blog geholfen haben, in den zwei Jahren zu wachsen und zu reifen.

Ich freue mich auf die kommenden Jahre, die mir – und hoffentlich auch euch – sicher nicht weniger Spaß machen werden als die vergangenen.

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Horrorfilme und ihre Frage an die Gesellschaft

Seien wir doch mal ehrlich: Horrofilme sind nicht gerade sonderlich anspruchsvolle Unterhaltung. Die meisten spulen ihr Schema runter (dazu bald ein gesonderter Artikel) und versuchen aktuell durch Anziehen der Gewaltschraube den Zuschauer zu unterhalten. Und wenn dann mal der erhobene Zeigefinger zum Vorschein kommt, dann gleich mit der ganzen Hand und dem Holzhammer noch dazu. Und spätestens nach dem achten Monsterstreifen hat es auch das kleinste Kind kapiert, dass man keinen Giftmüll den Abfluss runterschickt (was wiederum einige Großkonzernchefs als besonders lernresistent erscheinen lässt). Der eine oder andere findet sich dann doch, der immerhin den alten Romero-Zombiestreifen einen Hauch subtiler Gesellschaftskritik zusprechen kann.

Und dennoch vermögen es solche Filme, uns hin und wieder zum Nachdenken anzuregen.

Als Ausgangspunkte einer möglichen Diskussion, die sich vielleicht daraus entwickeln wird, möchte ich zwei bekanntere Filme nehmen: The Ring und Saw!

Ich hoffe, die Filme sind bekannt, ansonsten sollt, hier aufgehört werden zu lesen, um sich nicht den Spaß an den Filmen verderben zu lassen.

Beide Filme sind bekannte Genre-Vertreter, fallen aber aus den aktuell zelebrierten Schemas heraus. Zum einen ist bei The Ring die Handlung um ein tötendes Video bei aller Naivität mal was erfrischend anderes, zum anderen hat Saw nicht nur den Boom um Folter-Filme mit eingeleitet, der Killer Jigsaw unterscheidet sich durch das Motiv seines Handelns von den üblichen inzestiösen Backwood-Mutanten. Durch seine Fallen will er ausgesuchten Menschen den Wert des Lebens vermitteln. Diese Situation an sich regt bereits zum Nachdenken an.

Beiden Filmen ist gemeinsam, dass sie ihre Portagonisten vor schwere moralische Entscheidungen stellen. Wer etwa das Ring-Video einmal gesehen hat, kann nur überleben, wenn er das Video widerum jemand anderem zeigt. Das Leben eines anderen muss somit gefährdet oder sogar beendet werden, um das eigene zu retten. Bei Saw sind einige der Fallen ähnlich aufgebaut. Um sein eigenes Leben zu retten, muss das eines anderen beendet werden.

Wenn man sich einmal wirklich ernsthaft mit der Frage beschäftigt, ob man das selbst auch tun würde, fällt die Antwort nicht leicht. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass man sie nicht wahrheitsgemäß beantworten kann, wenn man sich nicht wirklich einmal in solch einer Situation befindet. Stattdessen will ich die Frage ausweiten:

Sind unsere Vorstellungen von Moral nicht luxus?

Ich verwende hier das Wort „luxus“ durchaus in einem positiven Sinn. Wir leben glücklicherweise in einer zivilisierten Gesellschaft, die uns behütet, so dass wir  in der Regel nicht vor solche schweren Entscheidungen gestellt werden müssen. In den aktuellen Krisenherden der Welt sieht die Situation ganz anders aus. Salopp gesagt:
Uns geht es so gut, dass wir uns Moral leisten können.

An der Stelle möchte ich einfach mal abrupt enden und bin schon gespannt, wie ihr den Gedanken weiter führt. Vielleicht habt ihr auch eine völlig andere Meinung. Ich bin schon sehr gespannt.

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Wo andernorts der Kunde König ist …

… da scheint er in der Unterhaltungsindustrie der Feind und potentielle Verbrecher zu sein.

Man kann sie ja auf der einen Seite schon verstehen, die geplagten Musiklabels, Filmverleihe und Computerspielvertreiber. Die bösen illegalen Filesharer fahren ihnen jährlich ja zig Milliarden Teuros Verlust ein. Da muss man natürlich was tun. Mir entzieht sich aber irgendwie der Sinn einer Strategie, deren klar erklärtes Ziel es ist, die übrigen, ehrlichen Kunden auch noch zu vergraulen. Und das besonders effektiv. Immer schärfere Kopierschutzmethoden, die man inzwischen eigentlich schon Abspielschutz nennen muss, werden entwickelt und am Kunden getestet.

Wir haben ja schon seit frühester Kindheit etwas Fell gegen sowas entwickelt. Auch die VHS – der Magnetbandhimmel hab sie seelig – hatte damals einen analogen Kopierschutz. Macrovision findet man auch heute noch auf DVDs, weil sich ja immer noch jemand (auch bei Preisen um 30€ für DVD-Player und 150€ für VHS-Recorder) vehement gegen die digitale Revolution weigern könnte und lieber DVDs auf VHS-Kassetten überspielen möchte.

Ich habe keine Quelle und aus dem hohlen Bauch heraus würde ich sagen, dass die Musikindustrie so richtig mit dem Schutz vor unbefugtem Abspielen angefangen hatte. Ja, der CCS-Kopierschutz bei DVDs war schon lange implementiert, aber der tat ja auch damals schon nicht wirklich weh. Jedenfalls hat man bei den Musikvertreibern irgendwann gemerkt, wer die Wurzel allen Übels ist: der Computer. Richtig. Mit den Rippern und MP3-De- und Encodern ist das die Kopier- und Verbreitungsmaschine schlechthin. MP3 ist sowieso ein Bäh-Wort. Warum schlechte Qualität in Kauf nehmen, wenn die CD doch so toll klingt. Also war der logische Schluß: Der PC muss von der Wiedergabe ausgeschlossen werden. Ein Kopierschutz war schnell zusammengebastelt und schon sollte eine CD nur noch auf Standalone-Playern nutzbar sein. Dass man damit auch gleich CD-Player und Autoradios mit MP3-Funktion aussperrte sah man wohl als Kollateralschaden an. Aber der Kunde hat das zu fressen kaufen, was man ihm vorsetzt.
Irgendwann scheinen auch die besten Ohrenschützer gegen die Lauten Unkenrufe und Beschwerden der Käufer nicht mehr geholfen zu haben. Man musste einlenken, um den wütenden Mob Kunden wieder zu besänftigen. In einem schier unglaublichen Anflug von Gnade und Mitgefühl entschloss man sich dann in den Chefetagen zu dem glorreichen Schritt, die geschützten CD wenigstens zu kennzeichnen, um dem Kunden die Fahrerei für den Umtausch zu ersparen.

Die Filmindustrie lernt nicht aus den eigenen Fehlern, warum sollte sie dann aus denen von anderen lernen. Dabei fing es so harmlos an. Man knallte einfach absichtlich ein paar defekte Sektoren auf die DVDs, damit der Rechner beim Auslesen ganz schon ins Schwitzen kommen sollte. Blöd natürlich, wenn man eine schon etwas angekratze DVD kauft und man nach Überprüfung mit Tools wie etwa Neros CD/DVD-Speed nicht weiß, ob die Fehler von den Kratzern oder dem Kopierschutz stammen …
Der Kopierschutz war aber schnell geknackt, Nachsehen hatten nur die ehrlichen Kunden, die ihre teuer gekauften Filme nicht mal mehr auf dem Standalone-Player abspielen konnten. Der Ballwechsel zwischen Koperschutzintegration und -aushebelung ging dann noch ein paarmal weiter, bis man auch hier zu radikaleren Mitteln greifen musste und auch hier sollte man bei der Wurzel allen Übels ansetzen. Immerhin hat man da doch ein bisschen bei der Audio-CD abgeschaut, aber zumindest blieb man von der Idee fern, den PC-Nutzer komplett auszusperren und ging dafür mehr in die Tiefe: tief ins System. Wer sich damals eine Mr. & Mrs. Smith DVD gekauft hat, war vielleicht erstmal verwirrt, dass der Film eine Software installieren wollte. Hatte man sich versehentlich ein PC-Spiel mit dem selben Namen gekauft. Aber ein beherzter Klick auf OK und die Stunde des als Rootkit bekannt gewordenen Verfahrens war geboren. Wenigstens lies sich dieser „Schutz“ leichter aushebeln als alle zuvor und ließ sich von jedem auch ohne Programmierkenntnisse oder Installation illegaler Tools durchführen. Ein simpler Druck auf die Umstelltaste während dem Einlegen half.
Während die Musikindustrie, immer dankbar für abstruse Ideen, das auch mal ausprobieren wollte, ging bei der Film-DVD das Wettrüsten weiter. Bis heute …
Ja, bislang hatte ich immer Glück, konnte alles abspielen und den leidgeplagten Kunden, deren Filme sich bei Ihnen nicht zum Laufen bringen ließen nur mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken. Seit es nun X-Protect gibt, gehöre auch ich zu den Vergrämten.
Es fing alles mit einem Nachmittag an, der eigentlich toll hätte werden sollen. Lange hatte ich mich auf ihn gefreut, den neuen Rambo. Supi. Hirn abschalten, Rechner an, Surround-Anlage hochgedreht, um das Tötungsspektakel aus allen Raumrichtungen miterleben zu können und vielleicht, ja vielleicht würde ich endlich erfahren, warum das blaue Licht blau leuchtet. Welch Vorfreude. Die erste Ernüchterung: das Laufwerk kann die DVD nicht lesen, der Dateiexplorer sagt mir, es keine Disc im Laufwerk. Dabei war ich mir 100%ig sicher, eine eingelegt zu haben. DVD raus, angeschaut … hm, so verkratzt war sie nun auch nicht. Da hatte ich schon bedeutend schlimmere Tassenuntersetzer aus der Videothek ausgeliehen gehabt … Seltsam. Nach ca. 10 weiteren Versuchen gab ich auf und versuchte als letzten Notanker noch den Standalone-Player am Fernseher. Da lief er dann glücklicherweise einwandfrei. Aber aus der Traum vom entspannten Nachmittag, denn auf dem kleinen Fernseher mit blechernem Stereosound macht so ein Blockbuster nur halb so viel Spaß. Ich wollte es der freundlichen Dame von der Videothek nicht antun, dafür dann auch nur den halben Preis zu zahlen. Ok, kann passieren, dachte, bis es dann aber immer öfter vorkam. Andere CDs und DVDs liefen immer noch tadellos, so dass ich von einem Defekt meines Laufwerks absah. Etwas googeln und das Problem war schnell entdeckt: der schon genannte X-Protect-Kopierschutz, den mein Laufwerk nicht zu mögen scheint. Schade. Aber dank RandyFisher kann ich mich jetzt immer vor dem Gang in die Videothek darüber informieren, ob ich mir den neuesten Big-Budget-Blockbuster auf dem kleinen Flimmerkasten in Stereo einverleiben muss und werde nicht überraschend sondern geplant enttäuscht. In Zukunft werde ich also vor eine weitere Wahl gestellt: Entweder einen Film beschnitten im Kino mit sattem Sound und großem Bild, oder daheim auf der Zwergenkiste mit klassischem Stereo, aber dafür komplett. Man fühlt sich doch wieder in die guten 90er versetzt, also Raumklang und 16:9-Format zu Hause kein wirkliches Thema war…

In Sachen Kreativität konnte man der Spieleindustrie noch nie was vormachen. Defekte Sektoren, Rootkits, alles schon verwendet. Auch schwere Geschütze wie SecureRom sind inzwischen täglich Brot. Da helfen auch die zahlreichen Beschwerden nichts, die immer wieder durch Foren und Blogs geistern. Warum auch, so lange immer noch Geld in die Kassen fließt. Die Geschäfte helfen dabei ja auch kräftig mit. Einmal ausgepackte CDs und DVDs sind von der Rückgabe ausgeschlossen. Perfekt. So greift man erst dann in die Nesseln, wenn man das Ding schon zu Hause liegen hat und dem auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Es scheint, als würde man sich immer anstehende Hits und potentielle Erfolge für die Einführung neuer „Schutzmaßnahmen“ heranziehen. Half-Live 2 war so ein Kandidat, wo man sich plötzlich über das Internet bei einem Steam Server anmelden musste um spielen zu können. Schnell wurden Fragen laut: Kann ich das dann überhaupt ohne Internet spielen? Kostet das was? Werden meine persönlichen Daten an Valve übertragen? Damals waren DSL-Flats auch nicht verbreitet und man sah die Einwahl ins Internet noch als zusätzliche Kosten an. Zu Beginn musste man sich darüber noch keine Sorgen machen, denn die Server waren so überlastet, dass man eh keine Verbindung aufbauen konnte. Und wer hat sich am Ende am meisten gefreut? Die Raubkopierer, die tatsächlich genug Internet hatten, um sich das Spiel komplett und gecrackt aus dem Internet zu saugen, ohne auch nur einen müden Cent hinlegen zu müssen. Aber so ist das ja immer. Heute kräht kein Hahn mehr danach. Heute muss man sich schon was neues einfallen lassen, um mal wieder in die Schlagzeilen zu kommen. Und das ist EA jüngst mit Spore auch gut gelungen.
Dieser neue „Schutz“ setzt der Angst um Kopien die derzeitige Krone auf. Man stelle sich einmal vor, man kaufe sich ein vollwertiges Spiel zu einem gängigen Preis von rund 50€, was in Zeiten explodierender Energie- und Lebensmittelpreise auch nicht mehr unbedingt aus der Portokasse gezogen wird. Aber was solls, man gönnt sich ja so selten was und ein so beworbener Renner wie Spore muss ja dann auch gut und sein Geld wert sein. Weiterhin stelle man sich vor, dass man dazu auch ausnahmsweise mal nicht so die Rezensionen bei Amazon und sonstwo im Netz gelesen hat. Man freut sich also auf sein Spiel, und spielt es auch gern, probiert mal ein bisschen mehr aus und zerschießt sich die Installation. Kein Ding, kann man ja einfach neu installieren. Durch irgendeinen dummen Zufall kriegt man dann mit, dass sich das Spiel aber nur drei mal installieren lässt und man es für weitere Installationen über einen Support freischalten muss. Jetzt hat man ein Spiel auf der Platte, das man nur noch ein Mal installieren kann. Mit einer Windows-Neuinstallation muss man nun richtig haushalten.
Das wirft natürlich kein gutes Licht auf das Spiel. Geht man bei EA davon aus, dass das Spiel so schlecht ist, dass es ohnehin niemand ein drittes Mal installieren würde, um es mal wieder zu spielen?
Die Empörung ist immens und die Kunden machen ihrem Unmut nun in großem Maße Luft. Robert Basic hat eine nette und unterhaltsame Reihe darüber verfasst (zu finden hier, hier, hier und hier). Interessant ist ja die Reaktion von EA, sinngemäß: „Ist uns doch egal, ob euch das gefällt oder nicht, wir machen das auf jeden Fall weiter so“. Ein wenig kundenfreundlich will man dann aber doch sein und lässt unglaubliche 5 Installationen zu. Das ist doch mal ne Maßnahme. Danke! Ich würde jetzt aber ungesehen wetten, dass das Spiel bereits als unendlich oft installierbare Version bereits im Netz zu finden ist. Und damit hat uns EA bewiesen, dass Ehrlich doch nicht am längsten währt sondern lediglich genau drei Mal.

Update: Tatsächlich, Golem bestätigt meine Vermutung. Da fragt man sich doch wirklich: wenn so eine kleine Leuchte wie ich das kommen sieht, wieso sehen das die Halogenlampen bei EA nicht?

Da lobe ich mir Bücher (und ich hoffe, mit dem Folgenden niemanden auf dumme Gedanken zu bringen). Bücher haben keinen Kopierschutz, man kann sie immer und überall und so oft man will lesen, sofern man denn des Lesens mächtig ist. Es gibt keine Inkompatibilitäten, keine spezielle Soft- und Hardware, die Preise für ein spannendes Taschenbuch bewegen sich zwischen moderaten 8 und 13 Teuro, die Mehrwertsteuer ist bedeutend niedriger und im Regelfall ist sogar der Versand umsonst. Und bsilang hat mich ein Buch immer um einiges länger unterhalten als ein Film oder ein PC-Spiel.

Mein Fazit: Lest mehr Bücher!

Die verwendete Buch-Grafik stammt von openclipart.org und wurde unter public domain lizensiert.

Kunst durch Physik und Spiel

Dass sich eine Innenstadt auch mit interessanten „Kunstgegenständen“ verschönern lässt, zeigt Mühlacker.

Dabei wirkt der schlicht anmutende Zylinder im ersten Moment recht unspektakulär. Für den Schaueffekt muss der Passant selbst sorgen, und das durch pure Muskelkraft. Kunst also, die zum Mitmachen einlädt.

Kunst durch Physik und Spiel Kunst durch Physik und Spiel

Mit der an der Seite befestigten Kurbel bringt man die Schaufeln im Inneren zum Rotieren. Schnell bildet sich ein Strudel im Wasser, der sich immer tiefer schraubt, je schnell die Kurbel gedreht wird. Wirklich phantastisch und für jung wie alt interessant und spektakulär.

Leider ist die Kurbel derzeit defekt, so dass ich keine „Life-Action-Photos“ machen konnte. Aber sobald sie repariert wurde, werde ich die nachreichen. Besonders wenn sich die Innenstadt bei Sonnenuntergang in Gelb und Rot taucht sind die Lichteffekte im Strudel phänomenal.

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Wunschzettel: Ein BrainPad

Die Technik schreitet immer weiter voran und immer wieder werden wir mit neuen Features beglückt. Inzwischen gibt es zum Beispiel elektronische Bilderrahmen, die ihre Fotos über WLAN beziehen können. Aber eines fehlt mir noch zu meinem Glück:

Geht euch das auch so, dass ihr eure besten Einfälle morgens oder abends im Halbschlaf habt? So kurz vor dem Einschlafen fallen einem dann noch die besten Formulierungen für wissenschaftliche Hausarbeiten oder für Referate ein und morgens beim Aufwachen hat man noch im Kopf, was man alles erledigen muss. Leider sind aber genau zu dem Zeitpunkt die motorischen Fähigkeiten auf das Herumwälzen von der linken auf die rechte Seite begrenzt, von feinmotorischen Tätigkeiten wie dem Halten eines Stiftes oder der Bedienung einer Tastatur einmal ganz abgesehen. Zudem lässt sich das Auge noch nicht davon überzeugen, dass es Licht in Information umwandeln, geschweige denn überhaupt ertragen sollte. Seine Gedanken in diesem Zustand irgendwie niederzuschreiben ist unmöglich (ich verzichte hier bewusst auf die Nennung eines Diktiergerätes, da die Bedienung zu nachtschlafener Zeit zu fummelig ist und das Sprechen andere Anwesende vom wohlverdienten Schlaf abhalten könnte). Aber sobald man sich dann mühsam aus dem Bett gequält hat, sind die guten Einfälle auch schon wieder dahin.

Was ich mir also wünsche ist eine Art kognitiver Notizblock, der meine Gedanken auffängt und quasi still gesprochene Texte in Schrift umwandelt. Ein Brainpad also (oder ein iBrain, sollte Apple das Gerät mal herausbringen).
Wenn das dann aber auch über WLAN mit einem PC läuft, hätten wir wieder das Problem mit der Sicherheit. Man stelle sich findige User vor, die über ein schlecht gesichertes WLAN die Gedanken der Nachbarn empfangen…
Hm, irgendwie hat jede Technik ihre Schattenseiten.

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Podknast.de

Web 2.0 bietet neben dem Aufbauen und Pflegen sozialer Beziehungen tiefer greifende Einsatzmöglichkeiten. Wie, zeigt podknast.de. Jugendliche Kriminelle der Jugendarrestanstalt Düsseldorf erzählen in einem Podcast über ihre Erfahrungen und ihre Gedanken.

Die Idee ist genial, entfalltet sie doch ihre Wirkung nach zwei Seiten:

Zum einen beschäftigen sich die inhaftierten Jugendlichen eingehend mit ihrem Handeln vor und während ihrer Zeit im Arrest. Dadurch, dass sie ihre Gedanken in Worte fassen müssen, denken sie intensiver darüber nach, was und warum sie ihre Straftaten begangen haben. Der Podcast stellt somit ein Mittel zur Resozialisierung dar.

Auf der anderen Seite erzielt er eine präventive Wirkung nach außen hin. Durch die Schilderungen des „Knastlebens“ können andere Jugendliche davor gewarnt oder sogar abgeschreckt werden, ebenfalls auf die schiefe Bahn zu geraten. Die Wirkung ist dahingehend intensiver, da es sich um reale Erfahrungen von Gleichaltrigen handelt, denen man als Jugendlicher eher mehr Aufmerksamkeit und Glauben schenkt, als Eltern oder Lehrern, denen man den moralischen Zeigefinger in dem Alter nicht so wirklich abkauft.

Ein wirklich gelungener Ansatz, der die positiven Aspekte des Internets hervorhebt.