Realität und Vitrualität

Star Trek – Der Reboot

Obwohl mich der Trailer zum neuen Star Trek Film absolut enttäuscht zurückgelassen hatte, habe ich den Kinobesuch gewagt. Einfach auch, weil es ja sonst mit dem übrigen Sci-Fi-Angebot mehr als mau aussieht (kam seit Riddick überhaupt mal wieder was in der Richtung im Kino?).

Zuerst mal greife ich die Punkte aus dem Trailer auf, die mir damals sauer aufgestoßen sind.

  • Die Szene mit dem roten Flitzer in der Wüste ist immer noch bescheuert. Ja, schön, Kirk ist ein Draufgänger. Hätte man auch anders beweisen können als im Zu-Schrott-fahren eines Autos.
  • Ok, die “Strip-Szene” von Uhura hat sich glücklicherweise nicht als Vorläufer einer Bettszene rausgestellt. Uhura erhält im Film auch erstaunlich viel Tiefe und war mit einer der sympathisten Charaktere der neuen alten Crew.
  • Auch bei der “Prügelszene” mit Spock kann ich Entwarnung geben. Sie fügt sich gut in die Handlung ein und ist nachvollziehbar.
  • Die komischen Lüftungspropeller an den Warpgondeln sind glücklicherweise nicht mehr im Film, dafür aber wird die Enterprise immer noch auf der Erde zusammengebastelt. Schade.

Auch sonst kann ich mich den kursierenden Kritiken zumindest im Bezug auf die Crew anschließen. Die Schauspieler machen ihre Aufgabe wirklich ordentlich und schaffen es, Star Trek Feeling aufkommen zu lassen. ACHTUNG SPOILER: Auf das Techtelmechtel von Uhura und Spock hätte ich trotzdem gern verzichtet. SPOILER ENDE.

Dieses Feeling wird aber von der Ausstattung der Enterprise in großen Teilen zunichte gemacht. Auf der Brücke blitzt und funkelt es wie bei einem Weihnachtsbaum. Die Masse an Glühlampen ist absolut übertrieben und hilft auch in keinster Weise, sowas wie einen Retro-Look zu erzeugen. Es ist einfach nur peinlich.
Der krasse Gegensatz dazu bildet der Maschinenraum. Die Fünf Filmfreunde treffen es mit der Beschreibung “wie bei Thyssen im Keller” auf den Punkt. Damit wird das Star Trek-, nein sogar das gesamte Sci-Fi-Feeling absolut zerstört.

Weiterer Wehmutstropfen ist der, dass sich die filmische Ästhetik leider zu deutlich an aktuellen Trends richtet. Wackelkamera an absolut unpassenden Stellen (etwa ein Dialog in einer Bar), hektische Detailaufnahmen, die völlig den Überblick verlieren lassen, etc. Besonders die einleitende Schlacht gegen das Romulanerschiff ist eine Katastrophe. Man erkennt kaum was von den Schiffen, die da gegeneinander kämpfen. Zum Glück wird das im Lauf des Films besser (oder man gewöhnt sich mit der Zeit daran).

Nun aber zu den Pluspunkten:
Die Story an sich ist nicht wirklich schlecht, auch wenn man hie und da wirklich das Gefühl hat, sie wäre um die Actionszenen rumgebastelt worden. Die große Stärke des Films liegt in der Anfangsphase, als sich die Charaktere kennenlernen. Hier war man wirklich bemüht, dem Fan Futter zu bieten. Kirks Betrug beim Kobayashi-Maru-Test wird ebenso gezeigt wie die Tatsache, wie Pille zu seinem Spitznamen kam und wie Spock aufgrund seiner menschlichen Mutter Probleme auf Vulkan hat. Und als Star Trek-Gelegenheitsschauer vielen mir die angeblichen Ungereimtheiten im Kanon ohnehin nicht auf. Insofern gibts hier keinen Punktabzug, zumal die meisten Serien, egal ob Film oder Fernsehen, mit der Kontinuität zu kämpfen haben.

Alles in Allem ist der Film spannend inszeniert, hat lustige Momente und macht letztlich trotz der oben genannten Makel doch Spaß. Im Gegensatz zu anderen Seiten fand ich ihn nicht überirdisch gut, aber auch nicht unterirdisch schlecht. Wollte ich ihm Punkte geben, so bekäme er 7/10.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Erfolg eine neue Science-Fiction-Welle auslöst, die bei den heute möglichen Tricktechniken eigentlich schon lange überfällig ist.

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