Wer vor kurzem mal wieder in der Videothek oder im Medien-Shop seines Vertrauens vorbei geschaut hat, dem sind sicherlich bereits die neuen FSK-Logos aufgefallen. Unübersehbar prangen sie auf der Front der Neuerscheinungen. Ich vermisse dabei zwei Dinge:
a) Den Erläuterungstext in noch größerer Schrift daneben: „Wenn sie das nicht mehr erkennen können, raten wir vom Kauf dieser DVD/ BlueRay ab und empfehlen eine stärkere Brille / einen Augenarzttermin!“
b) Eine Prägung, die es auch komplett Erblindeten erlaubt, das FSK-Logo richtig identifizieren zu können.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich der Entwicklung lange tatenlos zugesehen habe, ohne hier oder sonstwo dagegen zu schreiben. Wie kam es dazu?
Phase 1: Die ersten Hinweise fand ich im Internet und tat es als schlechten Scherz von jemandem ab, der sich einfach nur wichtig machen wollte.
Phase 2: Die Meldungen verhärten sich, aber ich hielt es weiterhin für ein Gerücht. Schließlich verbreitet sich sowas sehr schnell im Netz und erweist sich dann auch als äußerst langlebig.
Phase 3: In einem Forum sah ich dann erstmals die konkrete Umsetzung des Logos am Cover von Bangkok Dangerous (nein, nicht das geniale Original, sondern das Ami-Remake). Sicherlich hatte sich da einer mit einer Bildbearbeitungsoftware einen Scherz erlaubt.
Phase 4: Ich sah eben jenes Cover live und in Farbe im Media Markt rumliegen und verfluchte die Filmindustrie. Nach „Abspielverhinderungsmaßnahmen“ (im Volksmund als Kopierschutz bekannt) und geldbeutelverachtenden Vermarktungsstrategien (ich sag nur Super-Duper-Special-Mega-Uncut-Extended-Reinemachefrau’s Cut-Collection-Edelstahl-Edition) wollte man sich offenbar noch die letzten übriggebliebenen Kunden vergraulen.
Phase 5: Nach Lektüre dieses Eintrags in RandyFisher’s Blog revidiere ich meine in Phase 4 gemachte Aussage und gestehe, dem Falschen die Schuld gegeben zu haben. Stattdessen blicke ich wieder auf Phase 1 zurück …
Ja, Frau von der Leyen weiß, wie man bei den Wählern ankommt. Nachdem sie die Internetnutzer durch die Einrichtung von Internet-Sperren unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Kinderpornografie* vergrätzt hat (siehe etwa hier und hier), kämpft sie nun gegen den Filmkonsumenten. Die metaphorische Ohrfeige, die sie damit faktisch jedem Bürger erteilt, ist deutlich und soll hier nicht weiter erörtert werden. Ich gehe in dieser Hinsicht völlig konform mit René und möchte das an der Stelle auch nicht extra wiederholen. Der Blogeintrag ist unbedingt lesenswert. Nur soviel sei ergänzt: Nur weil sich manche 12 Stunden am Tag die öffentlich-rechtlichen Sender reinziehen, muss man nicht gleich von einer volksübergreifenden Generalverblödung ausgehen, wie das Frau von der Leyen zweifelsohne unterstellt.
Aber wenn wir schon von der politischen Führung als absolut beschränkt eingeschätzt werden, stehen wir vielleicht bald nicht mehr unter generellem Verdacht, Terroristen zu sein. Man muss das ja immer auch von der positiven Seite sehen …
Immerhin gibt es auch Licht im Dunkel:
Absolutes Lob an Splendid, die ihre Filme mit Wendecovern anbieten werden, um dem Sammler die Schmach der neuen Logos zu ersparen. Wirklich klasse, Lob und Anerkennung!!! Ich hoffe, dass sich dieses Verfahren durchsetzen wird und die anderen Vertriebe auf den Zug aufspringen werden. Gerade jene, die in der jüngesten Vergangenheit mehr und mehr Kunden verärgert haben, könnten damit wieder einiges an Boden gutmachen.
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* Falls die Internet-Sperren tatsächlich eingerichtet werden, verabschiede ich mich an dieser Stelle schonmal, da mein Blog sicherlich aufgrund der Verwendung dieses Wortes dann nicht mehr erreichbar sein wird …