Man(n) wird alt

Kein Wunder, dass mir die Prüfungen so schwer fallen, wenn ich mir den Artikel bei wissenschaft.de so durchlese. Könnte man nicht einführen, dass man für die PH-Prüfungen wie beim Sportabzeichen in Alterklassen mit unterschiedlichen Niveaus eingeteilt werden könnte? ;-)

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Update: 1 Tag nach Winnenden

Flagge auf HalbmastDie Medien waren gestern voll davon und sind es auch heute noch. Ein Blick auf die Gesichter der Betroffenen vor Ort und nähere Erkenntnisse zu Einzelschicksalen, die im Gespräch mit anderen ans Tageslicht kamen, machen die Tat noch unfassbarer.

Ein großes Lob muss man den Kräften vor Ort aussprechen. Polizei, Sozialarbeiter und Rettungskräfte haben ihre Sache hervorragend gemacht. Von den Lehrern habe ich aus den Medien nichts herausbekommen, aber auch hier bin ich mir sicher, dass angepackt wurde, wo Not am Mann war. Die Eltern und Kinder waren soweit gefasst, um die Helfenden nicht zu behindern, was keinesfalls selbstverständlich ist und Anerkennung verdient. Der baden-würrtembergische Innenminister Heribert Rech, der früh vor Ort war, hat in den zahlreichen Interviews ein positives Bild hinterlassen. Die Bestürzung konnte man ihm ansehen, seine Aussagen waren tatsächlich welche und nicht bloßes politisches Mitleidsbekunden. Ihn zeichnete eine realistische Beurteilung der Lage aus. Die Frage noch Konsequenzen beantwortete er damit, dass die Eindrücke noch zu frisch seien und man jetzt unter der emotionalen Aufwühlung keine Kurzschlußhandlungen provozieren wolle. Er gab auch folgerichtig zu bedenken, dass es bei allen Maßnahmen, die man ergreifen würde, niemals eine 100%ige Sicherheit geben könne. So wünsche ich mir das von einem Politiker.

Auch die Medien haben ein gutes Bild von sich abgegeben. Die Bilder waren behutsam ausgewählt, Spekulationen wollte man sich nicht ergeben und wenn, dann waren diese auch als solche gekennzeichnet. Im Gottesdienst wurde nicht gefilmt, um den Trauernden ihre Ruhe zu lassen. Da verzeiht man dann auch kleinere Fehler wie die immer wieder schwankende Zahl Toter (15-17) und die Entfernung zu dem Ort, an dem der Amokläufer letztlich selbst sein Leben ließ (20-40km).

Ein Tag danach sieht das Ganze leider schon wieder anders aus. Die Spekulationen um die Motive beginnen und schneller als ich erwartet hatte tritt bereits der Universalschuldige „Killerspiele“ auf den Plan. Nickte man gestern in den Interviews noch gutmütig ab, wenn die Experten davon sprachen, dass noch nichts bekannt sei, so will man heute harte Fakten auf dem Tisch sehen. Eine berechtigte Frage, die ich mit anderen Bloggern unter anderem hier im Blog oder bei Thousand Sunny’s Webblog diskutiere, beschäftig sich damit, warum ausgerechnet Schulen häufiger das Ziel von Amokläufen sind. Ein Interview mit Polizeipsychologe Adolf Gallwitz, der auch gestern vor Ort und häufiger im Fernsehen war, gibt da nur wenig Aufschluss. Mobbing wird bereits heiß in den Medien gehandelt. Ich bezweifle gar nicht, dass das ein Problem an Schulen ist und unterstützte Mobbing auch in keinster Weise. Aber ich fürchte, dass nun die Lehrer unter dem Druck von Eltern und Behörden evtl. übersensibilisiert werden könnten, und jede kleinere Auseinandersetzung oder freundschaftliche Kabbelei unter den Schülern unnötig sanktionieren. Ich verstehe, dass nach einer solchen Tat der Blick fürs richtige Maß aus den Augen verloren werden kann, aber ich hoffe auch, dass er genauso schnell zurecht gerückt wird, wie die Medien Begründungen aus dem Hut zaubern können.

Es klingt pietätlos und ich hoffe ich werde nicht falsch verstanden, wenn ich die aktuelle Situation auch als Chance sehe. Die Schule ist ein hochgradig komplexes Gebilde mit ebenso komplexen Aufgaben. Für die meisten Aufgaben sind die Lehrer allein zuständig. Der Lehrer ist für den Unterricht eigenverantwortlich, hat einen Teil der Erziehung mit zu tragen, sichert die Qualitätssicherung seines Unterrichts selbst und unterstützt bei der Schulentwicklung. Daneben sollte er sich noch möglichst fort- und weiterbilden, von administrativen Aufgaben rede ich lieber erst gar nicht.
Für den Schüler auf der anderen Seite ist die Schule ein „Lebensraum“, er verbringt einen großen Teil seiner Zeit dort. Da schließt sich natürlich nicht aus, dass er seine Sorgen mit in die Schule bringt und auch Sorgen von der Schule wieder mit nach Hause nimmt. Der Lehrer wird damit nicht nur Berater in fachlichen Fragen, sondern er wird zum Berater in allen Lebenslagen. Daneben muss er noch eine hohe diagnostische Expertise mitbringen, um Probleme, die er nicht direkt vom Schüler angetragen bekommt, von sich aus zu erkennen. Der Lehrer wird hierfür nicht speziell ausgebildet, nach Winnenden könnte aber sehr wohl der Ruf nach Verbesserung in diesem Sektor laut werden. Ein anderer Aspekt wäre eine verzahnte Kooperation von Eltern, Lehrern und Sozialarbeitern. Seit Jahren wird darüber gesprochen, dass der Einsatz von Sozialarbeitern an Schulen wichtig ist, aber bislang hat immer das liebe Geld gefehlt, um hier flächendeckend tätig zu werden. Insofern sehe ich hier die Chance, dass insbesondere gefährdeten Kindern eine fachliche und umfassende Hilfe zugute kommen kann.

Welche Konsequenzen wir letzten Endes daraus ziehen werden, bleibt abzuwarten. Aber diese werden dann sicher noch massenwirksam verkauft, schließlich haben wir ja Wahljahr.

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Amoklauf an Realschule

von OpenStreetMap (cc-by-sa-2.0)

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Noch druckfrisch ist die Meldung über einen Amoklauf an der Realschule in Winnenden im Rems-Murr-Kreis (nahe Stuttgart).

Die Berichte sind noch unscharf: Während die Tagesschau von zwei Toten und mehreren Verletzten spricht, meldet das Radio bereits neun Tote.

Die Betroffenen, Angehörige der verletzten und getöteten Schüler sowie Mitschüler und Lehrer, die bei einer solch grausamen Tat zugegen waren, haben mein vollstes Mitgefühl. Zu behaupten, ich könnte auch nur im Ansatz nachfühlen, was diese Menschen in diesen Augenblicken durchmachen mussten und im Nachhinein auch noch werden müssen, wäre eine glatte Lüge.

Was bewegt einen Jugendlichen, der einen Großteil seines von Veränderungen geprägten Lebens noch vor sich hat zu solch einer schrecklichen Tat? Was muss da im Kopf und Herzen vor sich gehen, das ihn dazu verleitet, seine Mitmenschen wissentlich mit Tötungsabsicht zu bedrohen? Ich kann es nur schwer nachvollziehen. Jeder ärgert sich einmal über andere und manch einem wünscht man die Pest an den Hals, aber zwischen und Wort und Tat befindet sich eine riesige Kluft, zu deren Überwindung einiges gehört.

Mit Sicherheit wird man in der Politik den Schuldigen wieder einmal zuerst bei den Filmmedien und Computerspielen suchen, und mit derselben Sicherheit hat auch in diesem Fall der Amokläufer Spiele wie Counterstrike, World of Warcraft, etc. gespielt und irgendwelche Action- und Horrorfilme angeschaut. Aber das ist sehr kurzfristig gedacht.

Heinz Moser gibt in seinem Buch zur Einführung in die Medienpädagogik [1] zu bedenken, dass die Interpretation von Korrelationen in diesem Fall zu schnell in Ursachen uminterpretiert werden. Wichtig im Zusammenhang mit dem Umgang mit Medien ist der Verarbeitungsprozess, der individuell erfolgt. Die Schuld kann daher nicht beim Medium selbst gesucht werden, sondern muss vom Individuum aus betrachtet werden. Die grundlegende Problematik liegt darin, dass Kindern und Jugendlichen vorgeworfen wird, sie würden die mediale Scheinwelt mit der Realität verwechseln oder würden sie in die Realität übertragen. Wie Moser zeigt, sind Kinder schon früh in der Lage, zwischen fiktiven Ereignissen in Medien und realen Lebensumständen unterscheiden. Wie bei anderen Medien wie etwa Büchern können diese komprimierten fiktiven Darstellungen auch genausogut als Hilfestellung für lebenswirkliche innere und äußere Konfliktsituationen dienen. Diese Bewältigungsstrategien müssen nicht zwangsläufig in gewalttätige Auseinandersetzungen übertragen werden, sondern können hingegen helfen, diese zu verhindern.

von Flickr-User luke.skywalker79 (cc-by-nc 2.0)

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Bleibt also immer noch die Frage offen, was Menschen zu Taten wie Amokläufen bewegt. Ich hoffe mir von ganzem Herzen, dass diesmal endlich nicht nur kurzfristig an die Medien gedacht, sondern wirklich auf die Persönlichkeit des Täters geschaut wird. Vielleicht legt dies Lebensumstände offen, die künftig zur Prävention beitragen können. Mein Wunsch ist es, auch im Sinne aller Beteiligten, die Probleme des Einzelnen an der Wurzel identifizieren zu können, um in Vorraussicht Hilfen anbieten zu können, als sich in Schuldzuweisungen zu ergehen, wenn die Situation bereits Tote und Verletzte gefordert hat. Das bringt den Eltern ihre Kinder auch nicht wieder zurück.

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[1] Moser, H. (2006). Einführung in die Medienpädagogik. Aufwachsen im Medienzeitalter (4., überarbeitete und aktualisierte Auflage). Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften