… da scheint er in der Unterhaltungsindustrie der Feind und potentielle Verbrecher zu sein.
Man kann sie ja auf der einen Seite schon verstehen, die geplagten Musiklabels, Filmverleihe und Computerspielvertreiber. Die bösen illegalen Filesharer fahren ihnen jährlich ja zig Milliarden Teuros Verlust ein. Da muss man natürlich was tun. Mir entzieht sich aber irgendwie der Sinn einer Strategie, deren klar erklärtes Ziel es ist, die übrigen, ehrlichen Kunden auch noch zu vergraulen. Und das besonders effektiv. Immer schärfere Kopierschutzmethoden, die man inzwischen eigentlich schon Abspielschutz nennen muss, werden entwickelt und am Kunden getestet.
Wir haben ja schon seit frühester Kindheit etwas Fell gegen sowas entwickelt. Auch die VHS – der Magnetbandhimmel hab sie seelig – hatte damals einen analogen Kopierschutz. Macrovision findet man auch heute noch auf DVDs, weil sich ja immer noch jemand (auch bei Preisen um 30€ für DVD-Player und 150€ für VHS-Recorder) vehement gegen die digitale Revolution weigern könnte und lieber DVDs auf VHS-Kassetten überspielen möchte.
Ich habe keine Quelle und aus dem hohlen Bauch heraus würde ich sagen, dass die Musikindustrie so richtig mit dem Schutz vor unbefugtem Abspielen angefangen hatte. Ja, der CCS-Kopierschutz bei DVDs war schon lange implementiert, aber der tat ja auch damals schon nicht wirklich weh. Jedenfalls hat man bei den Musikvertreibern irgendwann gemerkt, wer die Wurzel allen Übels ist: der Computer. Richtig. Mit den Rippern und MP3-De- und Encodern ist das die Kopier- und Verbreitungsmaschine schlechthin. MP3 ist sowieso ein Bäh-Wort. Warum schlechte Qualität in Kauf nehmen, wenn die CD doch so toll klingt. Also war der logische Schluß: Der PC muss von der Wiedergabe ausgeschlossen werden. Ein Kopierschutz war schnell zusammengebastelt und schon sollte eine CD nur noch auf Standalone-Playern nutzbar sein. Dass man damit auch gleich CD-Player und Autoradios mit MP3-Funktion aussperrte sah man wohl als Kollateralschaden an. Aber der Kunde hat das zu fressen kaufen, was man ihm vorsetzt.
Irgendwann scheinen auch die besten Ohrenschützer gegen die Lauten Unkenrufe und Beschwerden der Käufer nicht mehr geholfen zu haben. Man musste einlenken, um den wütenden Mob Kunden wieder zu besänftigen. In einem schier unglaublichen Anflug von Gnade und Mitgefühl entschloss man sich dann in den Chefetagen zu dem glorreichen Schritt, die geschützten CD wenigstens zu kennzeichnen, um dem Kunden die Fahrerei für den Umtausch zu ersparen.
Die Filmindustrie lernt nicht aus den eigenen Fehlern, warum sollte sie dann aus denen von anderen lernen. Dabei fing es so harmlos an. Man knallte einfach absichtlich ein paar defekte Sektoren auf die DVDs, damit der Rechner beim Auslesen ganz schon ins Schwitzen kommen sollte. Blöd natürlich, wenn man eine schon etwas angekratze DVD kauft und man nach Überprüfung mit Tools wie etwa Neros CD/DVD-Speed nicht weiß, ob die Fehler von den Kratzern oder dem Kopierschutz stammen …
Der Kopierschutz war aber schnell geknackt, Nachsehen hatten nur die ehrlichen Kunden, die ihre teuer gekauften Filme nicht mal mehr auf dem Standalone-Player abspielen konnten. Der Ballwechsel zwischen Koperschutzintegration und -aushebelung ging dann noch ein paarmal weiter, bis man auch hier zu radikaleren Mitteln greifen musste und auch hier sollte man bei der Wurzel allen Übels ansetzen. Immerhin hat man da doch ein bisschen bei der Audio-CD abgeschaut, aber zumindest blieb man von der Idee fern, den PC-Nutzer komplett auszusperren und ging dafür mehr in die Tiefe: tief ins System. Wer sich damals eine Mr. & Mrs. Smith DVD gekauft hat, war vielleicht erstmal verwirrt, dass der Film eine Software installieren wollte. Hatte man sich versehentlich ein PC-Spiel mit dem selben Namen gekauft. Aber ein beherzter Klick auf OK und die Stunde des als Rootkit bekannt gewordenen Verfahrens war geboren. Wenigstens lies sich dieser „Schutz“ leichter aushebeln als alle zuvor und ließ sich von jedem auch ohne Programmierkenntnisse oder Installation illegaler Tools durchführen. Ein simpler Druck auf die Umstelltaste während dem Einlegen half.
Während die Musikindustrie, immer dankbar für abstruse Ideen, das auch mal ausprobieren wollte, ging bei der Film-DVD das Wettrüsten weiter. Bis heute …
Ja, bislang hatte ich immer Glück, konnte alles abspielen und den leidgeplagten Kunden, deren Filme sich bei Ihnen nicht zum Laufen bringen ließen nur mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken. Seit es nun X-Protect gibt, gehöre auch ich zu den Vergrämten.
Es fing alles mit einem Nachmittag an, der eigentlich toll hätte werden sollen. Lange hatte ich mich auf ihn gefreut, den neuen Rambo. Supi. Hirn abschalten, Rechner an, Surround-Anlage hochgedreht, um das Tötungsspektakel aus allen Raumrichtungen miterleben zu können und vielleicht, ja vielleicht würde ich endlich erfahren, warum das blaue Licht blau leuchtet. Welch Vorfreude. Die erste Ernüchterung: das Laufwerk kann die DVD nicht lesen, der Dateiexplorer sagt mir, es keine Disc im Laufwerk. Dabei war ich mir 100%ig sicher, eine eingelegt zu haben. DVD raus, angeschaut … hm, so verkratzt war sie nun auch nicht. Da hatte ich schon bedeutend schlimmere Tassenuntersetzer aus der Videothek ausgeliehen gehabt … Seltsam. Nach ca. 10 weiteren Versuchen gab ich auf und versuchte als letzten Notanker noch den Standalone-Player am Fernseher. Da lief er dann glücklicherweise einwandfrei. Aber aus der Traum vom entspannten Nachmittag, denn auf dem kleinen Fernseher mit blechernem Stereosound macht so ein Blockbuster nur halb so viel Spaß. Ich wollte es der freundlichen Dame von der Videothek nicht antun, dafür dann auch nur den halben Preis zu zahlen. Ok, kann passieren, dachte, bis es dann aber immer öfter vorkam. Andere CDs und DVDs liefen immer noch tadellos, so dass ich von einem Defekt meines Laufwerks absah. Etwas googeln und das Problem war schnell entdeckt: der schon genannte X-Protect-Kopierschutz, den mein Laufwerk nicht zu mögen scheint. Schade. Aber dank RandyFisher kann ich mich jetzt immer vor dem Gang in die Videothek darüber informieren, ob ich mir den neuesten Big-Budget-Blockbuster auf dem kleinen Flimmerkasten in Stereo einverleiben muss und werde nicht überraschend sondern geplant enttäuscht. In Zukunft werde ich also vor eine weitere Wahl gestellt: Entweder einen Film beschnitten im Kino mit sattem Sound und großem Bild, oder daheim auf der Zwergenkiste mit klassischem Stereo, aber dafür komplett. Man fühlt sich doch wieder in die guten 90er versetzt, also Raumklang und 16:9-Format zu Hause kein wirkliches Thema war…
In Sachen Kreativität konnte man der Spieleindustrie noch nie was vormachen. Defekte Sektoren, Rootkits, alles schon verwendet. Auch schwere Geschütze wie SecureRom sind inzwischen täglich Brot. Da helfen auch die zahlreichen Beschwerden nichts, die immer wieder durch Foren und Blogs geistern. Warum auch, so lange immer noch Geld in die Kassen fließt. Die Geschäfte helfen dabei ja auch kräftig mit. Einmal ausgepackte CDs und DVDs sind von der Rückgabe ausgeschlossen. Perfekt. So greift man erst dann in die Nesseln, wenn man das Ding schon zu Hause liegen hat und dem auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.
Es scheint, als würde man sich immer anstehende Hits und potentielle Erfolge für die Einführung neuer „Schutzmaßnahmen“ heranziehen. Half-Live 2 war so ein Kandidat, wo man sich plötzlich über das Internet bei einem Steam Server anmelden musste um spielen zu können. Schnell wurden Fragen laut: Kann ich das dann überhaupt ohne Internet spielen? Kostet das was? Werden meine persönlichen Daten an Valve übertragen? Damals waren DSL-Flats auch nicht verbreitet und man sah die Einwahl ins Internet noch als zusätzliche Kosten an. Zu Beginn musste man sich darüber noch keine Sorgen machen, denn die Server waren so überlastet, dass man eh keine Verbindung aufbauen konnte. Und wer hat sich am Ende am meisten gefreut? Die Raubkopierer, die tatsächlich genug Internet hatten, um sich das Spiel komplett und gecrackt aus dem Internet zu saugen, ohne auch nur einen müden Cent hinlegen zu müssen. Aber so ist das ja immer. Heute kräht kein Hahn mehr danach. Heute muss man sich schon was neues einfallen lassen, um mal wieder in die Schlagzeilen zu kommen. Und das ist EA jüngst mit Spore auch gut gelungen.
Dieser neue „Schutz“ setzt der Angst um Kopien die derzeitige Krone auf. Man stelle sich einmal vor, man kaufe sich ein vollwertiges Spiel zu einem gängigen Preis von rund 50€, was in Zeiten explodierender Energie- und Lebensmittelpreise auch nicht mehr unbedingt aus der Portokasse gezogen wird. Aber was solls, man gönnt sich ja so selten was und ein so beworbener Renner wie Spore muss ja dann auch gut und sein Geld wert sein. Weiterhin stelle man sich vor, dass man dazu auch ausnahmsweise mal nicht so die Rezensionen bei Amazon und sonstwo im Netz gelesen hat. Man freut sich also auf sein Spiel, und spielt es auch gern, probiert mal ein bisschen mehr aus und zerschießt sich die Installation. Kein Ding, kann man ja einfach neu installieren. Durch irgendeinen dummen Zufall kriegt man dann mit, dass sich das Spiel aber nur drei mal installieren lässt und man es für weitere Installationen über einen Support freischalten muss. Jetzt hat man ein Spiel auf der Platte, das man nur noch ein Mal installieren kann. Mit einer Windows-Neuinstallation muss man nun richtig haushalten.
Das wirft natürlich kein gutes Licht auf das Spiel. Geht man bei EA davon aus, dass das Spiel so schlecht ist, dass es ohnehin niemand ein drittes Mal installieren würde, um es mal wieder zu spielen?
Die Empörung ist immens und die Kunden machen ihrem Unmut nun in großem Maße Luft. Robert Basic hat eine nette und unterhaltsame Reihe darüber verfasst (zu finden hier, hier, hier und hier). Interessant ist ja die Reaktion von EA, sinngemäß: „Ist uns doch egal, ob euch das gefällt oder nicht, wir machen das auf jeden Fall weiter so“. Ein wenig kundenfreundlich will man dann aber doch sein und lässt unglaubliche 5 Installationen zu. Das ist doch mal ne Maßnahme. Danke! Ich würde jetzt aber ungesehen wetten, dass das Spiel bereits als unendlich oft installierbare Version bereits im Netz zu finden ist. Und damit hat uns EA bewiesen, dass Ehrlich doch nicht am längsten währt sondern lediglich genau drei Mal.
Update: Tatsächlich, Golem bestätigt meine Vermutung. Da fragt man sich doch wirklich: wenn so eine kleine Leuchte wie ich das kommen sieht, wieso sehen das die Halogenlampen bei EA nicht?
Da lobe ich mir Bücher (und ich hoffe, mit dem Folgenden niemanden auf dumme Gedanken zu bringen). Bücher haben keinen Kopierschutz, man kann sie immer und überall und so oft man will lesen, sofern man denn des Lesens mächtig ist. Es gibt keine Inkompatibilitäten, keine spezielle Soft- und Hardware, die Preise für ein spannendes Taschenbuch bewegen sich zwischen moderaten 8 und 13 Teuro, die Mehrwertsteuer ist bedeutend niedriger und im Regelfall ist sogar der Versand umsonst. Und bsilang hat mich ein Buch immer um einiges länger unterhalten als ein Film oder ein PC-Spiel.
Mein Fazit: Lest mehr Bücher!
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