Microblogging mit Ponce und Plurk

„Die Macht kann großen Einfluss haben auf die geistig Schwachen.“ (Star Wars)

Ja, auch ich bin nun der Macht, oder genauer dem Microblogging erlegen. Den Platzhirsch Twitter habe ich für meine ersten Gehversuche bewusst nicht genommen. Durch etliche Blogartikel bin ich stattdessen auf Pownce und Plurk gestoßen und habe beide einmal näher unter die Lupe genommen.

Pownce


Pownce ist schnell eingerichtet und leicht zu bedienen. Nach der Anmeldung kann man direkt loslegen, es benötigt nicht einmal einer Email-Verifikation. Eine Importfunktion, mit der sich Freunde und Bekannte direkt hinzufügen lassen, erleichtert den Start.

Im Profil wird der Web2.0-Gedanke schnell greifbar. Zahlreiche weitere Dienste wie Flickr, Zooomr, Facebook und wie die üblichen Verdächtigen alle heißen mögen, lassen sich auswählen und in das Profil einbinden. Eine Auswirkung auf die „Notes“ genannten Posts hat das allerdings nicht, sie dienen den Besuchern eher als Linksammlung zu weiteren Internetpräsenzen des Users. Das selbe gilt für diverse Instant Messenger Accounts und Blogs / Websites. Um eine Übersicht über das „Leben im Netz“ zu geben ist die Funktion sicher sinnvoll. Hier lässt sich in den sehr differenzierten Privacy Settings angeben, wer was vom eigenen Profil sehen darf. So habe ich etwa festgelegt, dass meinen Blog und meine Web2.0-Services alle sehen dürfen, meine Messenger-Profile jedoch nur für Freunde sichtbar sein sollen. Das selbe funktioniert auch mit den Notes. Beim Posten kann der User festlegen, ob der Beitrag „public“ ist, also von allen gelesen werden kann, oder ob er nur für alle Freunde oder einen bestimmten Freund sichtbar sein soll.

Zum Veröffentlichen von Inhalten stehen mehrere Möglichkeiten bereit: Zum einen lassen sich reguläre Kurznotizen schreiben, die im Gegensatz zu Twitter und Plurk mehr als 140 Zeichen haben dürfen. Zum anderen lassen sich Bilder und Videos anzeigen und sogar Dateien mit maximal 100MB zum Download anbieten.  Einträge können leider nach dem Veröffentlichen nicht mehr editiert werden.

Pownce-Seite

Pownce-Seite

Zur Gestaltung der eigenen Seite bietet Pownce 12 vorgefertigte Templates an, die meiner Ansicht nach alle recht ansehnlich und funktionell gestaltet wurden. Möchte man seine Seite individueller gestalten kommt man um einen Pro-Account nicht herum. Dieser bietet für 20 US-Dollar im Jahr freiere Editiermöglichkeiten, einen größeren Speicherplatz für Dateien (250 MB) und schaltet die eingeblendete Werbung ab. Diese Werbung habe ich bislang nocht nicht zu Gesicht bekommen, pixelsebi gibt aber in seinem Blog ein Beispiel. Die Werbung ist da schön unaufdringlich, so dass man sicherlich auch gut ohne den Pro-Account auskommen kann.

Freunde lassen sich schnell hinzufügen. Sobald man einen eigenen Account hat und angemeldet ist, genügt es, auf die Pownce-Seite eines anderen zu gehen. Ganz oben sticht einem sofort ein Button ins Auge, der es ermöglicht, den entsprechenden User als Freund hinzuzufügen.

Im Test hatte ich massive Probleme mit dem Abonnieren des RSS-Feeds der Seite. Weder bei Friendfeed noch hier im Blog konnte ich meine News von Pownce beziehen, lediglich mit dem Google Reader hatte ich Erfolg. Evtl liegt es daran, dass Pownce auf das Atom-Format setzt.

Twitter punktet maßgeblich durch die vielen zusätzlichen Tools, die inzwischen dafür verfügbar sind. Pownce schließt hier langsam auf. In der Tools&Apps-Sektion finden sich bereits einige Hilfen, die den Umgang mit Pownce erweitern oder vereinfachen, ebenso ist bereits eine mobile Oberfläche verfügbar, die die Benutzung vom Handy aus ermöglicht. Neue Notes können über Instant Messaging versendet werden, etwa über jabber.

Alles in allem macht Pownce einen soliden Eindruck. Die Optik ist ansprechend, die Funktionen durchdacht und dabei nicht überfrachtet. Großes Plus ist das Verfassen längerer Notes, als dies etwa bei Twitter möglich ist und die Auflistung anderer Web-Services, die Besuchern einen guten Überblick liefern. Wermutstropfen sind die bislang noch nicht vorhandene Lokalisierung auf andere Sprachen, die fehlende Möglichkeit zum Editieren von Einträgen und eventuell die Werbung / die Notwendigkeit eines kostenpflichtigen Pro-Accounts.

Jedenfalls:
I'm on Pownce
;-)
Account gelöscht

Interessante Artikel zu Pownce:

Plurk:


Der Name dieses Microblogs klingt nicht sonderlich appetitlich, aber der Unterschied zu Twitter und Pownce wird direkt sichtbar: In Plurk werden die „Plurks“ genannten Beiträge nicht untereinander angezeigt, sondern nebeneinander in einer Zeitleiste. Ob das Feature Sinn macht oder nicht muss jeder für sich entscheiden. Fakt ist, dass es zumindest beim ersten Blick einen „Oho-Effekt“ auslöst und einen individuelleren Eindruck hinterlässt. Auch bietet diese Art der Ansicht den Vorteil, dass Antworten direkt darunter beim zugehörigen Post erscheinen, was übersichtlich und praktisch ist. Beim zweiten Blick erkennt man dann aber auch schnell den Nachteil: Texte werden teilweise abgeschnitten und werden erst dann komplett sichtbar, wenn man mit der Maus darüber fährt. Eingefügte Bilder oder Videos sind dermaßen klein, dass sie kaum erkennbar sind. Um einen Klick auf den Plurk, der den Inhalt dann in einem neuen Tab öffnet, kommt man nicht herum. Immerhin, im Gegensatz zu Pownce lassen sich die Einträge hier editieren, man muss sie bei Fehlern nicht komplett löschen und neu schreiben.

Plurk-Seite

Plurk-Seite

Der Einstieg in Plurk wird dem User einfach gemacht. In einem fünfschrittigen Tutorial bekommt man die wichtigsten Funktionen erklärt. So soll das sein.

Man merkt schnell, dass sich nicht nur die Optik von anderen Diensten unterscheidet. Ingesamt ist Plurk viel verspielter als seine Konkurrenten. In einen neuen Eintrag lassen sich sog. „Qualifiers“ setzen, die bestimmte Verben zur Vorauswahl bieten. Die Qualifiers sind farbig und helfen somit ein wenig bei der Orientierung auf der Zeitleiste. Ein Eintrag setzt sich dann aus dem Nutzernamen, dem besonderen Verb und dem Eintrag zusammen. Ein Beispiel wäre etwa „Stormcloud ist dem Gruppenzwang erlegen und testet über die Semesterferien Microblogging -)

Bei Plurk benötigt man für weitere Features zwar keinen kostenpflichtigen Pro-Account, dafür aber kann der User sog. Karma-Punkte sammeln, mit denen er dann weitere Funktionen freischalten kann. So lässt sich zwar schon zu Beginn mit 0 Karmapunkten das Hintergrundbild anpassen, mit 25 jedoch kann die Timeline verändert und mit 50 das Dashboard editiert werden. Karma kann man bspw. für das Posten von Plurks oder durch das Einladen von Freuden bekommen. Auch bekommt man durch Karmapunkte zusätzliche Smilies, die man einbauen kann (wer’s braucht). Dieses Punktesystem hat Vor- und Nachteile: Auf der einen Seite wird man so motiviert den Dienst zu nutzen und soziale Kontakte zu knüpfen, auf der anderen Seite aber wird man bestraft, wenn man nicht viel postet. Hat man etwa längere Zeit nicht geplurkt (Mann, klingt das eklig…) bekommt man Punktabzug. So ist man versucht, jeden Mist zu plurken, nur um seinen Punktestand zu halten.

Generell aber kann hier mehr ein- und angestellt werden als beim oben beschriebenen Pownce. Ob das jedoch von Vor- oder Nachteil ist, muss der User letzten Endes für sich entscheiden.

Die Benachrichtigung per RSS funktioniert einwandfrei, auf Wunsch kann man sich ein Widget erstellen lassen, das man auf der eigenen Seite einbinden kann. Für Blogsysteme wie WordPress gibt es bereits fertige Vorlagen, um diese jedoch einbinden zu können, will Plurk den Benutzernamen und das Passwort des Blogs wissen, was bei mir starke Bauchschmerzen verursacht. In dem Fall ist es sicher besser, den normalen RSS-Feed einfach über das in WordPress integrierte RSS-Widget einzurichten.

Für die mobilen User bietet die Plattform auch hier eine speziell an Handys angepasste Seite an.

So hat man auf der Habenseite eine lustig gemachtes Microblogging-System mit interessanten und gut funktionierenden Features, das viel zu entdecken bietet (ich selbst bin bislang auch länger auf Plurk als auf Pownce verweilt). Hier gehe ich mit dem Webmasterblog konform. Diese neuartige Art der Darstellung hat aber genauso wie das Karmapunkte-System Licht- und Schattenseiten. Sauer stoßen die Widgets auf, die neben Nutzernamen auch Passwörter fordern.

Meine Plurks findet ihr hier. Account gelöscht

Interessante Links zu Plurk:

Fazit:

Für ein endgültiges Fazit ist es noch zu früh und ein längerer Test wird zeigen, für welchen der beiden Dienste ich mich letzten Endes entscheiden möchte. Beide parallel möchte ich jedenfalls nicht laufen lassen, da mir das Synchronhalten zu aufwendig ist.
Die Dienste haben jedenfalls interessante Ansätze und machen einen durchdachten Eindruck, unterscheiden sich aber in nicht unwesentlichen Details. So lässt Pownce längere Einträge zu, Plurk ist auf 140 Zeichen beschränkt. Dagegen steht, dass Pownce nur auf Englisch verfügbar ist, während Plurk in verschiedene Sprachen lokalisiert wurde. Es fehlt mir bei Pownce derzeit noch eine uneingeschränkt funktionierende RSS-Unterstützung und die kleinen Plurks könnten auf Dauer doch nervig werden, da sie nicht immer komplett dargestellt werden und so ein flüssiges Lesen verhindern. Es wird spannend zu sehen, wie sich die Dienste in Zukunft entwickeln werden.

Veröffentlicht in Computer, Internet. Schlagworte: , , , , . 5 Kommentare »

5 Antworten zu „Microblogging mit Ponce und Plurk“

  1. cspannagel Sagt:

    Vielen Dank für die Berichte! Ich werde vermutlich trotzdem bei twitter bleiben, einfach weil dort viele meiner Bekannten sind. Ein solcher Dienst ist ja schließlich nur sinnvoll, wenn man auch eine Community hat.

    Das parallele Betreiben beider Dienste könnte übrigens durch http://ping.fm/ erleichtert werden, wie Thomas neulich in meinem Blog kommentierte:
    http://cspannagel.wordpress.com/2008/07/27/status-updates/#comment-7830

  2. Stormcloud Sagt:

    Ah, richtig. Daran hatte ich nicht mehr gedacht. Aber wenn ich beide Dienste über einen dritten betreibe, gehen mir ja einige der Vorteile flöten, wie etwa die längeren Texte bei Pownce oder die lustigen Qualifiers bei Plurk …
    Ich werde jetzt mal noch beide Dienste so weiter testen. Besonders Plurk muss ich noch weiter beobachten. Mir wurden nämlich schon Karmapunkte wieder abgezogen, vermutlich weil ich seit gestern nicht mehr „geplurkt“ habe. Wenn da so ein Druck dahinter ist hat sich das sehr schnell wieder erledigt.

  3. Stormcloud Sagt:

    Die RSS-Unterstützung in Pownce funktioniert nun auch unter friendfeed und andere Dienste.

  4. Stormcloud Sagt:

    Ich habe meine Accounts bei Plurk und Pownce gelöscht. Microblogging ist doch nicht das Richtige für mich.
    Allen anderen wünsche ich viel Spaß

  5. Also doch mal Twitter « Stormcloud’s Bunter Blog Sagt:

    [...] zwei kläglich gescheiterten Versuchen mit Pownce und Plurk, mich für Microblogging zu begeistern, wage ich einen weiteren Versuch mit dem Platzhirsch [...]


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